Call for Papers

Das Ende der Architekturzeichnung?
Darstellungsmodi und Baupraxis zwischen 20. und 21. Jahrhundert

Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte

Gernsheim-Studientage, Rom, 21. – 23. November 2018
Konzept und Organisation: Tatjana Bartsch, Johannes Röll, Anne Scheinhardt, Vitale Zanchettin

Deadline: 30. Juni 2018

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Die in den letzten Jahrzehnten zu beobachtende massive Verbreitung elektronischer Hilfsmittel zur Datenverarbeitung in der Baupraxis scheint traditionelle Techniken der Handzeichnung und des Modellbaus an den Rand gedrängt zu haben. Erfassung, Planung und Visualisierung von Objekten und Gebäuden wirken heute förmlich von digitalen Technologien und semi-automatischen Herstellungsweisen dominiert: von digitalen Aufnahmemöglichkeiten über parametrische oder algorithmische Entwurfsmethoden bis hin zu interaktiven Modellanimationen und automatisiertem Druck in 2D und 3D.

Angesichts dieser flächendeckenden und tiefgehenden technologischen Entwicklungen, die einen epochalen, vermeintlich irreversiblen Wandel kennzeichnen, stellt sich die Frage, ob damit tatsächlich auch Umbrüche in den Wissensformen verbunden sind oder ob neue Darstellungsmittel nicht eher manuelle und mentale Konventionen der Zeichentradition übernehmen. Im Kontext der Baustelle fällt beispielsweise auf, dass die Kommunikation zwischen Ausführenden und Planenden nach wie vor an die Projektionszeichnung gebunden ist, die im Wesentlichen seit Jahrhunderten unveränderten Sehgewohnheiten und Arbeitsweisen folgt. Auch die Bildschirmansicht des vektorbasierten Zeichenprogramms AutoCAD, das in Layern bedient wird, verweist auf die Bauzeichnung auf Transparentpapier und Reißbrett, die das ganze 20. Jahrhundert über Anwendung fand. Die aktuelle Praxis wie auch die Interaktionen zwischen automatisierter und manueller Zeichnung in Lehre, Bauaufnahme und Projektplanung schreiben den neuen Technologien folglich keineswegs einen Ausschließlichkeitsanspruch zu.

Das Ziel dieser Tagung ist es, ausgehend von verschiedenen disziplinären Standpunkten und folgenden Fragen Reflektionen über moderne Architekturdarstellungen zu befördern: Inwiefern sind die neuen Hilfsmittel in enger Abhängigkeit von einem über die Jahrhunderte hinweg konsolidierten Substrat aus Wissenspraktiken zu betrachten? In welchen Bereichen wird die Zeichenpraxis mit traditionellen Materialien und Techniken fortgeführt? Welche Rolle nehmen jüngste Phänomene in der Architekturgeschichte ein, in denen ein verstärktes Interesse an der Handzeichnung für Projektentwurf, Bauaufnahme und architektonischer Darstellung aufscheint? In welchen Zusammenhängen treten Wechselwirkungen zwischen Digitalem und Manuellem zu Tage?

Über den Vergleich unterschiedlicher Zeichenpraktiken (von spezifischen individuellen Erfahrungen bis hin zu lokalisierbaren Tendenzen, Projekte verschiedener Größenordnungen und Bauaufgaben) möchte die Tagung die Architekturzeichnung innerhalb spezifischer Kontexte in den Blick nehmen, in denen die Handfertigkeit im alltäglichen Umgang mit Architektur sowie Konzepte der Urheberschaft von Grund auf zur Disposition gestellt zu sein scheinen. Es werden Vorträge von maximal 30 Minuten erbeten, die sich mit Fallbeispielen oder theoretischen Fragestellungen zur modernen und zeitgenössischen Zeichenpraxis und ihren Beziehungen zur Vergangenheit auseinandersetzen.

Bitte senden Sie bis zum 30.06.2018 Ihren Beitragsvorschlag in Form eines Abstracts (circa 300 Wörter) mit einem kurzen Lebenslauf an gernsheim(at)biblhertz.it. Die Bibliotheca Hertziana übernimmt die Kosten für Reise (economy class) und Unterbringung gemäß den Vorgaben des deutschen Gesetzes zur Übernahme von Reisekosten.