Veranstaltungsdetails

06.07.2017 - 07.07.2017

Greifbare Städte. Materialität und Identität in Süditalien (1100-1800)

Internationaler Workshop

6.–7. Juli 2017
Villino Stroganoff
Via Gregoriana 22
00187 Rom


»Materialität vermittelt Bedeutung. Sie schafft die Mittel, durch die soziale Beziehungen visualisiert werden. Denn durch Materialität artikulieren wir Bedeutung und somit ist sie der Rahmen, durch den die Menschen Identitäten kommunizieren.« (Sofaer, Material Identities, 2007). Obwohl jüngere Forschungen der Kunst- und Architekturgeschichte zunehmend Interesse am Material gezeigt haben, ist die spezifische Materialität unserer Lebenswelt noch immer weitgehend unerforscht. Eine entsprechende Fokussierung könnte allerdings bislang unbekannte Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen unterschiedlichen Gattungen, Epochen und Orten offenbaren. Wie Georges Didi-Huberman (1998) gezeigt hat, könnte ein solcher Perspektivwandel gerade auch für die Kunstgeschichtsschreibung Bedeutung erlangen, da er implizite Hindernisse und Tabus innerhalb der Disziplin enthüllen kann. In Anknüpfung an aktuelle Debatten zur Materialität will der Studientag untersuchen, wie ganz unterschiedliche künstlerische Materialien in den städtischen Räumen Süditaliens zwischen Mittelalter und Neuzeit zur Identitätsbildung beitragen. Damit soll zum einen auf die Rolle aufmerksam gemacht werden, die Materialien für das Narrativ der Kunstgeschichte Süditaliens gespielt haben, zum anderen erprobt werden, wie ein verstärkter Fokus auf Materialität neue Forschungsperspektiven eröffnen kann. Inwieweit sind etwa Materialien mit Assoziationen hinsichtlich eines lokalen geologischen und naturbezogenen Kontextes aufgeladen? Wie verhalten sie sich zur Geschichte eines Ortes? Und wie verhalten diese sich zur Bildung lokaler Identitäten? Hier ist besonders an spezifische lokale Materialien zu denken (wie die pietra leccese in Lecce oder die farbigen Marmorarten auf Sizilien), an Spolien, welche die griechische oder römische Geschichte einer Stadt materiell greifbar machen, aber auch an Materialien aus der Ferne, wie kostbarer Lapislazuli, die die Spuren ihrer langen Reise in sich tragen. Zusätzlich zu diesen Zusammenhängen zwischen Materialität und Identität soll im Workshop die Rezeption unterschiedlicher Materialien in schriftlichen Quellen analysiert werden, wie etwa in Kunstliteratur, Reiseführern, Verträgen und auch naturwissenschaftlichen Traktaten.

Programm folgt

Adresse

Bibliotheca Hertziana
Max-Planck-Institut für 
Kunstgeschichte

Via Gregoriana 28
I-00187 Rom

Max-Planck-Gesellschaft