1600 - 1800

Das Aquatische und Fluide als skulpturales Element in der italienischen Kunst
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In der neueren Forschung finden sich vermehrt Ansätze, die die Kunst der Moderne in Hinblick auf ihre Fluidität erfassen. Darunter fällt sowohl ein sozialhistorisches Verständnis von ephemeren Ausprägungen als auch eine materialästhetische und metaphorische Interpretation. Die moderne und zeitgenössische Kunst Italiens bildet hier keine Ausnahme, insbesondere in der raumgreifenden Kunst finden sich diese Formelemente wieder. Eine besondere Stellung nimmt hier allerdings das Wasser und das Fließende als formgebendes Element ein. Das Forschungsprojekt will dementsprechend untersuchen, wie sich diese Sonderstellung kunsthistorisch begründet. Im Unterschied zu einer motivischen Untersuchung des Nautischen oder Maritimen werden hierfür architektonische und skulpturale Werke ab der Neuzeit herangezogen, in denen Wasser als Material eingesetzt wird oder der materielle Umgang mit Wasser, etwa in Form von gießen oder fließen lassen, für die Ausformung der jeweiligen Arbeiten zentral ist. Untersuchungsgegenstände sind dementsprechend Brunnen, Gärten ebenso wie Skulpturen und Güsse. Ein besonderes Augenmerk liegt zudem darauf, die Rechercheergebnisse nach den neusten Standards der Digitalen Kunstgeschichte/Digital Humanities aufzubereiten. Verfolgt wird dabei keine deduktive Herangehensweise, sondern die methodischen und theoretischen Grundlagen leiten sich von den jeweiligen Anforderungen der künstlerischen Arbeiten her. Dementsprechend wird vor allem die Skulptur- und Architekturanalyse sowie Materialästhetik als Ausgangspunkt verstanden. Allerdings sind ebenso kultur- und technikgeschichtliche Ansätze von Bedeutung, um die Domestizierung des Wassers gegenüber einer rein ästhetischen Interpretation einordnen zu können.

Amerindian Contributions to the Tesoro messicano
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My research project is an interdisciplinary inquiry into the transatlantic and transcultural production of knowledge in the early modern period. On the one hand, my project consists of a cultural-historical analysis, in which early modern knowledge practices in Italy, Spain, and Mexico are reconstructed and compared with each other. The primary case study in this part of the project is the Tesoro messicano (TM), an encyclopedia of the natural history of Mexico published by the Roman Accademia dei Lincei in 1651. This book is placed in the larger context of the healing practices performed on both sides of the Atlantic. On the other hand, the project aims to further current ‘globalization’ approaches in historiography of art and science by developing a practice-theoretical interpretative framework. Rejecting the center-periphery distinction for a more 'horizontal' approach, this framework focuses on processes of negotiation as well as on the circulation, appropriation and translation of artistic forms and knowledge in the 'contact zones' where cultures and practices meet. The TM is a pertinent research object in the cultural-historical part of this project because it is the product of Spanish, Italian, and Amerindian knowledge practices. The importance of this publication for the history of science consists in the use of the original material that was collected and produced in Mexico, partly by indigenous 'artists' and 'scientists' with knowledge of botany and medicine. However, the TM has hitherto only been studied from a European perspective. My project aims to change this by elucidating the contribution by indigenous epistemic actors in the compilation and publication of this book. The leading question in the cultural-historical part of the project concerns the contacts between European and indigenous epistemic actors. How was Amerindian knowledge transformed, appropriated and translated into the TM, so that it could be understood and applied by European scientists?

Nationenbegriff und kollektive Identität landsmannschaftlicher Gemeinschaften im Rom der Frühen Neuzeit
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In aktuellen Mediendebatten taucht der Begriff nationale Identität mit großer Regelmäßigkeit auf, wenn es um das schwierige Zusammenwachsen der europäischen Staatengemeinschaft oder um die kritische Auseinandersetzung mit Globalisierungsprozessen geht. Vielfach ist die Befürchtung geäußert worden, die Erstellung eines europäischen Wertekanons oder die Bilddung einer gemeinsamen europäischen Kultur gehe unweigerlich mit einer Aushöhlung der individuellen nationalen Identitäten einher. Ebenso werden die wachsende Mobilität und die Vernetzung im medialen Zeitalter immer wieder mit Schlagwörtern wie Werterelativismus und Einheitskultur, und damit mit dem Verlust nationaler Eigenarten in Verbindung gebracht. Das Nachdenken über Fragen der nationalen Identität setzt eine Auseinandersetzung mit den Begriffen Nation und Nationalismus voraus, wie sie Historiker, Soziologen, Politologen und Anthropologen in einer langen Reihe von wissenschaftlichen Studien angestrebt haben. Das Verständnis der Nation als politisches Kollektiv und die damit einhergehende Verbindung der Begriffe Nation und Staat sind vornehmlich moderne Phänomene, ebenso wie die Manifestationen des Nationalismus als politischer Ideologie in Europa erst ab dem späten 18. Jahrhundert zu finden sind. Der Begriff der Nation als Gemeinschaft von Menschen, die eine Anzahl von kulturellen Merkmalen wie Sprache, Sitten, Bräuche, Traditionen miteinander teilen, lässt sich hingegen bis in die Antike zurückverfolgen. Im Mittelalter fand der Terminus im universitären und merkantilen Bereich Anwendung; die nationes bezeichneten Gruppen von Personen, die über eine gemeinsame territoriale Herkunft miteinander verbunden waren. Spätestens seit dem Zeitalter der Konfessionalisierung sind religiöse und politische Aspekte wichtige identitätsbildende Kriterien nationaler Gemeinschaften. Die Studie untersucht den frühneuzeitlichen Nationenbegriff am Beispiel der spanischen, französischen und deutschen Kirchen in Rom. Ausgehend von Anthony Smiths Definition von Nation als »a named and self-defining human community, whose members cultivate shared myths, memories, symbols, values, and traditions (…)« werden Gründungsmythen, kollektive Erinnerung, Symbole und gemeinschaftliche Rituale der landsmannschaftlichen Gemeinschaften und ihre künstlerischen Ausdrucksformen einer vergleichenden Untersuchung unterzogen.

Imitare la natura – superare la natura: Theorie und Praxis der Naturstudie im 17. Jahrhundert
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Das Imitare il naturale war Hauptanliegen der auf Mimesis zielenden Kunst der Frühen Neuzeit; zahllose panegyrische Schriften attestieren den Künstlern Virtuosität in der Imitation, ja im ›Übertreffen der Natur‹. Das Arbeiten dal naturale, wie von den Carracci in Bologna praktiziert, galt als Voraussetzung für Perfektion. Doch die von zeitgenössischen Literaten gepriesene vermeintliche Naturnachahmung Caravaggios und anderer Maler wurde im Verlauf des 17. Jahrhunderts in zunehmendem Maße von Kunsttheoretikern als mechanisches Kopieren ohne jede invenzione verurteilt. Hier fand offenbar ein bislang in der Forschung übersehener Paradigmenwechsel statt, der es mit sich brachte, dass das Arbeiten nach der Natur als Indiz für das Fehlen jeglicher Innovation betrachtet wurde und damit der unabdingbaren intellektuellen invenzione ermangelte, wie sie seit der Renaissance in zahlreichen Kunsttraktaten gefordert wurde. Es stellt sich die Frage, in welchem Umfang sich Kunsttheoretiker des Seicento, insbesondere solche, die nicht selbst als Künstler tätig waren, mit der Werkstattpraxis und den Entstehungsprozessen von Kunstwerken beschäftigten bzw. diese mit dem Ausbildungsprogramm für Maler verwechselten oder in welchem Maße sie lediglich auf abstrakte intellektuelle Modelle für die Entwicklung eines (mehr oder weniger) kohärenten theoretischen Gebäudes zurückgriffen.

Licht und Beleuchtung in Caravaggios Atelier
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Weit verbreitet ist in der Caravaggio-Forschung die Vorstellung, der Maler Michelangelo Merisi habe kein Bild herstellen können, ohne lebende Modelle in seinem Atelier posieren zu lassen, und das entweder in einem dunklen Raum mit senkrecht von oben einfallendem Sonnenlicht, oder in einer Art Camera obscura, in der er mit Spiegeln und Projektionen gearbeitet habe. Die genaue Beobachtung seiner Bilder, gestützt durch neuere Experimente, ergibt eindeutig, dass seine Gemälde weder von senkrecht oben, noch überhaupt von einer einzigen Lichtquelle beleuchtet sind, und dass keine der nachstellbaren Lichteinfälle konsequent naturgetreu wiedergegeben werden.
Über die ideale Beleuchtung von Malerateliers gab es bereits zu Merisis Zeit eine Tradition von Anweisungen, die alle auf das Prinzip eines schräg oben gebrachten Fensters, möglichst auf der Nordseite des Raumes, hinauslaufen. Darüber hinaus gab es besonders in der von Leonardo da Vinci bis Lomazzo reichenden Mailänder kunsttheoretischen Tradition – in der Caravaggio geschult worden war – eine besondere Aufmerksamkeit für die Wertigkeit von Schatten. Hierzu gab es Empfehlungen, den Schattenwurf unter besonderen Bedingungen – einem senkrecht einfallenden Licht! – praktisch und wissenschaftlich zu erforschen. ›Studium‹ bzw. ›Erforschung‹ (im Medium der Zeichnung) und Bildherstellung sind demnach als zwei getrennte Situationen und Vorgänge zu betrachten.
Die lombardische Wertschätzung für die dramatische Wirkung von Schatten und Schattenwurf fand zu Caravaggios Zeit Eingang in die römische akademische Diskussion und traf zeitlich mit einem Aufschwung der optischen Forschung zusammen. Intensiv beteiligt war daran der Bruder von Caravaggios großem Mäzen Kardinal Del Monte, der Mathematiker Guidubaldo Del Monte, der in einem optischen Traktat ein Kapitel zur Konstruktion von Schattenwurf verfasste – just jene Fähigkeit, die Caravaggio als eine Art Betriebsgeheimnis verteidigt zu haben scheint. Dass Künstler an diesen Entwicklungen teilhatten, belegt Ludovico Cigolis eigener Traktat, in dem er sich mit Guidubaldo Del Monte auseinandersetzt.
Während Caravaggio demnach unter vermutlich privilegierten Bedingungen im Haushalt Del
Montes Studien zur Schattenbildung betreiben oder an solchen teilnehmen konnte, entstanden
seine Gemälde im Atelier in ›regelkonformer‹, das heißt in völlig professioneller Manier.

How Baroque Rome looked at the Middle Ages: historians, connoisseurs and antiquarians in front of medieval images during the Barberini pontificate
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Federici's research project deals with the reception of medieval art in Rome during the first half of 17th century, and especially in the years of Urban VIII's pontificate. Special attention is devoted to three kinds of approach to medieval images (historical, art historical, antiquarian), which underlie texts badly edited in the past, such as the »Storia delle famiglie romane« by the flemish lawyer Teodoro Ameyden (1640–1650) and the »Diporti curiosi circa sagre antiche pitture« by Sebastiano Vannini (1642). The study and new edition of these works will represent a major part of the research.

Project to Update the Brauer-Wittkower Corpus of Bernini’s Architectural Drawings
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When the Bibliotheca Hertziana reopened after World War II, it was said that the corpus of drawings by Gianlorenzo Bernini (1931) was one of the most important publications to emerge from the then-thirty-year-old scholarly institute. Of the two authors, Heinrich Brauer had by 1928 completed a doctorate on the huge collection of Bernini drawings in the Museum der bildenden Künste in Leipzig, and Wittkower (then assistant to the first director of the institute, Ernst Steinmann) had moved from assisting in the compilation of a monumental Michelangelo bibliography to examining the graphic evidence for Bernini’s art and architecture. The collaboration of Brauer and Wittkower resulted in a crucial publication that is still frequently cited but much out of date. Thus, when the corpus was reprinted in 1969, both authors had already foreseen the need for its revision in light of new research, and they forecast the work in two parts, embracing the figural drawings and the architectural studies. The passing of time has only made these needs more pressing.  In addition to addressing the status of advancing studies, one must now carefully reconsider the substance of the text, whose subtle analysis is frequently overlooked. Moreover, the book has assumed the status of a historiographic landmark and therefore deserves to be understood in the context of its time, including the developing methods for art historical research, the study of drawings, and the professional ambitions of its authors in difficult political and cultural circumstances.  Beginning with the architectural material, this project addresses these matters with a fully documented introduction to the book and its authors, a modern English translation, and extensive revisions to the catalogue to bring it up-to-date with respect to current scholarship.

Katalog der italienischen Architekturzeichnungen im Mecklenburger Planschatz in Schwerin
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Im Bestand des erst kürzlich aufgefundenen Planschatzes des Mecklenburger Hofes aus dem 18. Jahrhundert befindet sich eine Gruppe Zeichnungen nach italienischen Bauten und Projekten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die identifiziert und zugeschrieben werden. Das Projekt ist Teil einer Gesamtpublikation des Bestandes und einer Ausstellung in Schwerin.

Werkkatalog der Zeichnungen Carlo Marchionnis im Johann Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg
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Carlo Marchionni (1702–1786) war einer der vielseitigsten Künstlers des 18. Jahrhunderts in Rom: Bildhauer, Architekt, Festausstatter, Karikaturist, Ingenieur und einer der besten Zeichner seiner Zeit. Seine Entwürfe sind heute über große Sammlungen in Europa und Nordamerika verstreut. Ein bedeutender Teil seiner Blätter mit vor allem Architekturthemen befindet sich in Würzburg und wird in einem kritischen Werkkatalog erschlossen.