Epochenübergreifend

Die Bewältigung von Naturkatastrophen im Spiegel der historischen Rekonstruktionen Neapels
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Das historische Stadtzentrum wird heute als materielles Zeichen der Geschichte und identitätsstiftendes Kulturgut verstanden. Dazu gehören u.a. architektonische Veränderungen, Zerstörungen, Konstruktionen und Rekonstruktionen, die nicht zuletzt von solchen Ereignissen wie Kriegen und Naturkatastrophen verursacht wurden. Seit der Zerstörung Pompejis und Herculaneums im Jahre 79 n.Chr. sind die Narrative Neapels von der Erfahrung von und der Furcht vor Katastrophen geprägt. Sowohl an der palimpsestartigen Gestalt der Stadt selbst als auch in den historischen und kunsthistorischen Beschreibungen Neapels sind die Brüche der Geschichte, die Vulnerabilität des Stadtkörpers und die Bedrohung durch die Natur abzulesen. In geradezu zyklischer Wiederkehr lösten Naturkatastrophen Transformationen der Stadt aus, die sich aus den Reaktionen auf das Unglück, der Akzeptanz, der Resilienz aber auch dem Widerstand erklären lassen. Viele (Re)Konstruktionen von Kultstätten und Repräsentationsbauten, die Geburt von neuen religiösen Kulten, wie auch die Institutionalisierung neuer Rituale und Traditionen stehen in diesem Zusammenhang. Ziel des Projektes ist es, in historischer Perspektive die Bewältigung von Katastrophen und das Leben mit dem Vulkan als identitätsstiftende Komponenten der neapolitanischen Bevölkerung zu untersuchen. Es soll ein Modell erarbeitet werden, das den Zusammenhang zwischen der wiederholten materiellen Re-Konstruktion des Stadtbildes und der kollektiven Identität einer Gemeinschaft beleuchtet, die ständig mit der Gefahr der Zerstörung, dem Verlust der Erinnerung und einer als unsicher wahrgenommenen Zukunft konfrontiert ist.