Digitale Kunstwissenschaft

In der Forschung der Abteilung II spielt die Auseinandersetzung mit Fragen, die sich aus den Entwicklungen in den Digital Humanities ableiten, eine zentrale Rolle. Zunehmend bestimmen computergestützte Verfahren die Sammlung, Verwaltung und Kommunikation forschungsrelevanter Daten – von der nachhaltigen Digitalisierung kunsthistorischer Quellen über ihre automatisierte Auswertung bis hin zu Formaten digitalen Publizierens. Mit der Medialität von Quellen und Werkzeugen verändern sich auch bis dato konventionelle Konzeptionen geisteswissenschaftlicher Arbeit.

Neben einer wissenschaftshistorischen und -theoretischen Reflexion dieser Umbrüche und ihrer epistemologischen Implikationen fördert die Direktion die Aneignung und Vermittlung digitaler Kompetenzen, indem sie eine umfassende Reorganisation des wissenschaftlichen IT-Bereichs am Institut einleitet. Insbesondere strebt die Direktion der Bibliotheca Hertziana, in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und der Swiss Art Research Infrastructure (SARI) der Universität Zürich, die Gründung eines Zentrums für digitale Kunstwissenschaft an, an dem neue Standards und Werkzeuge in Bezug auf fachspezifische Fragen und Aufgabenstellungen entwickelt werden. Angedacht ist, dass die im Rahmen der Forschungsinitiative Rome Contemporary zu digitalisierenden Bestände als zentraler Anwendungsfall dienen.

Die Arbeit des Digital Humanities Scientist an der Bibliotheca Hertziana widmet sich nicht nur dem Ausbau der digitalen Ressourcen des Instituts (Digitalisierungen, Online-Publikationen, Datensammlungen), sondern auch der Entwicklung rechnerischer Mittel, insbesondere durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz (Computer Vision, Machine Learning und Data Science).
Das Aufkommen dieser Methoden und ihre schnelle Weiterentwicklung eröffnet den Raum für neue Strategien des Navigierens durch die digitalen Bestände des Instituts. Zudem erübrigt sich zunehmend die manuelle Eingabe von Informationen in Datenbanken. Diese Herangehensweise der Digital Humanities ist nicht nur skalierbarer, sondern auch flexibler (man findet auch das, was man vorher nicht gesucht hat) und weniger kanonisch (sie kann auf Big Data angewendet werden und auch auf das, was noch nie untersucht worden ist).
Neben der Entwicklung von neuen Forschungswerkzeugen erlaubt die Herangehensweise der Digital Humanities, grundlegend neue Analysemethoden zu entwickeln und neue wichtige Techniken wie Computer Vision oder Machine Learning an den reichen Fundus kunsthistorischer Daten des Instituts anzupassen.
Indem die digitalen Publikationen, die digitale Bibliothek, die Sammlung digitaler Bilder und die neuen Methoden der Computeranalyse miteinander verbunden werden, bilden sich die Digital Humanities zu der zentralen Informationsschnittstelle der Bibliotheca Hertziana heraus. Durch die Weiterentwickelung dieser Techniken wird es auch die Möglichkeit zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftler*innen innerhalb der MPG geben, die sich mit Machine Learning und Computer Vision beschäftigen (MPI-IS, MPI-INF, MPI-SWS), ebenso wie mit geisteswissenschaftlichen Instituten, die sich für die Digital Humanities interessieren (KHI, MPIWG, etc.).

Digitale Kunstwissenschaft

Leitung: 
Prof. Dr. Tristan Weddigen

Wissenschaftliche Assistenz:
Leonardo Impett, M.A.
impett(at)biblhertz.it

Veranstaltungen

Totentanz: Aby Warburg and Digital Art History
Forschungsseminar mit Leonardo Impett
Rom, Bibliotheca Hertziana
17. Januar 2018

Gestione bibliografie
Workshop mit Gian Luca Colanicchia
Rom, Bibliotheca Hertziana
15. Februar 2018

The Future of Digital Scholarly Publishing in Art History I
Workshop
Rom, Bibliotheca Hertziana
16. Februar 2018

The Future of Digital Scholarly Publishing in Art History II
Workshop
Florenz, Villa I Tatti
6. April 2018

The Future of Digital Scholarly Publishing in Art History III
Workshop
Universität Zürich
18. Mai 2018