Die Geschichte der Fotothek

Die Fotothek geht auf die im Jahre 1913 von Henriette Hertz und Ernst Steinmann als Teil der Bibliotheca Hertziana gestifteten Photographiensammlungen (ca. 11.500 Abzüge) zurück. Steinmann erweiterte den vor allem Handzeichnungen und Malerei umfassenden Grundbestand entsprechend dem thematischen Schwerpunkt des Instituts, der Renaissance in Italien, und seinen eigenen Interessen an der Kunst Michelangelos. In den 1930er Jahren kam als neuer Bereich die Kunst des Mittelalters hinzu, der vor allem durch Fotokampagnen wissenschaftlicher Mitarbeiter und später auch einer Berufsfotografin ausgebaut wurde. Zugleich wurden die Abteilungen ›Architektur‹ und ›Skulptur‹ eingerichtet. Schon bis Mitte der 1930er Jahre war so eine mit ihrem reichen Bestand herausragende Fotografiensammlung entstanden, die als eine für alle Forscher des Instituts frei zugängliche und gemeinsam mit den Buchbeständen konsultierbare Studiensammlung in dieser Zeit einzigartig war.

Die Fotografiensammlung im Erdgeschoß des Palazzo Zuccari, um 1925, Aufn. Cesare Faraglia

Nach der Wiedereröffnung der Bibliotheca Hertziana 1953 wurde der inzwischen knapp 50.000 Fotografien umfassende Bestand systematisch zu einer wissenschaftlichen Fotothek ausgebaut. Ziel ist es seitdem, neben der Unterstützung der institutsinternen Forschungen eine möglichst breite Dokumentation der Kunst aller Gattungen zwischen dem 3./4. und dem beginnenden 20. Jahrhundert vor allem im mittleren und südlichen Italien bereitzustellen. Dies wird bis heute durch eine rege Ankaufstätigkeit und durch eigene Fotokampagnen verfolgt.

Bedeutsam war für die Entwicklung nach 1953 auch der Wunsch der »Unione Internazionale degli Istituti di Archeologia Storia e Storia dell’Arte in Roma« in der Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Rom die »Fototeca di arte post-antica romana« anzusiedeln, die seit 1956 besteht (gegenwärtig ca. 25.000 Fotografien). Neben dem topografischen Schwerpunkt ›Rom‹ lag die thematische Gewichtung neben der Malerei zunächst vor allem bei der Gattung Architektur, insbesondere der Hochrenaissance und des Barock; in den 1970er Jahren kam die Kunst des 18. Jahrhunderts hinzu. Der Schwerpunkt des ursprünglichen Gründungsbestandes, die Zeichnung, wurde seit den 1950er Jahren auf dem Gebiet der Architektur- sowie der Antikennachzeichnungen zu einer in ihrer Vollständigkeit nahezu einzigartigen Sammlung ausgebaut. Gleiches gilt für den Bestand von Fotografien figürlicher Zeichnungen, der seit Anfang der 1980er Jahren durch ein Projekt zur barocken Zeichnung deutlich erweitert wurde. Zum ausgewiesenen Zentrum für Zeichnungsforschung wurde die Fotothek aber vor allem durch die im Jahr 2002 durch Walter und Jutta Gernsheim erfolgte Schenkung des kompletten, über 193.000 Fotografien umfassenden »Corpus Photographicum of Drawings«. Der Bestand wurde zwischen 1953 und dem Jahr 2002, als die Digitalfotografie Einzug in die Fotothek erhielt, mehr als verzehnfacht und beläuft sich inzwischen auf ca. 800.000 Fotos (inkl. digitale Fotografien). Bereits 1994 ist die computergestützte Inventarisierung der Fotografien mit dem Datenbanksystem HIDA/MIDAS des Bildarchivs Foto Marburg eingeführt worden; inzwischen sind 270.000 Datensätze und 100.000 digitale Bilder online recherchierbar.

Mit dem 2012 erfolgten Umzug aus dem Villino Stroganoff in den Palazzo Zuccari und einen Teil des Neubaus sind die Bestände von Fotothek und Bibliothek nach knapp zwanzigjähriger räumlicher Trennung wieder gemeinsam konsultierbar.

Weiterführende Literatur

Regine Schallert und Johannes Röll: »La Fototeca della Bibliotheca Hertziana (Istituto Max Planck per la Storia dell’Arte)«, in Immagini e memoria, Gli Archivi fotografici di Istituzioni culturali della città di Roma, Atti del convegno, Roma, Palazzo Barberini, 3.–4. Dezember 2012, hg. v. Barbara Fabjan, Rom 2014, S. 169–182.

Regine Schallert: »Die Fotothek: ...dass ein Forscher jedwedes Material hier einsehen kann«, in 100 Jahre Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte. Band I: Die Geschichte des Instituts 1913–2013, hg. von Sybille Ebert-Schifferer unter Mitarbeit von Marieke von Bernstorff, München 2013, S. 226-245, 310-314.