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Giuseppe Maria Perrone, Ansicht der Fassade des Palazzo Zuccari, 1904

© Archiv Bibliotheca Hertziana

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Gebäude der Bibliotheca Hertziana an der Via Gregoriana

© Bibliotheca Hertziana (Andrea Jemolo)

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Ausschnitt aus dem Nolli-Plan, 1748

© Bibliotheca Hertziana

Gebäude des Instituts

Spanische Treppe und Palazzo Zuccari
Spanische Treppe und Palazzo Zuccari

Collis Hortulorum, ›Gartenhügel‹, war der antike Name des Monte Pincio, so benannt nach den großen Villen und Gärten des Lucullus und anderer einflussreicher Römer, die sich hier befanden. Die antiken Anlagen waren längst verfallen, als der Maler Federico Zuccari 1590 ein Grundstück an der neu gebauten Via Sistina kaufte, um dort ein Wohn- und Ateliergebäude zu errichten. Es sollte als Akademie für Maler, Bildhauer und Architekten dienen. Dieser Vision Zuccaris kam Henriette Hertz mehr als 300 Jahre später sehr nahe, als sie den Palazzo gemeinsam mit dem befreundeten Industriellen Ludwig Mond und seiner Frau Frida erwarb, ihn von Grund auf modernisierte und ihren Salon sowie später die Bibliotheca Hertziana darin einrichtete.
Heute erstreckt sich das Institut auf mehrere nebeneinander liegende Bauwerke. In dem im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgestalteten Palazzo Zuccari sowie dem im 19. Jahrhundert errichteten Palazzo Stroganoff arbeiten Wissenschaftler und die Bibliotheksverwaltung. Der 2011 nach dem Entwurf von Juan Navarro Baldeweg fertiggestellte Mitteltrakt beherbergt die zentralen Funktionen der Bibliothek und Fotothek. Das auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindliche Villino Stroganoff dient als Veranstaltungsort für Tagungen und Vorträge der Bibliotheca Hertziana und ist Sitz der Institutsverwaltung.

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Palazzo Zuccari

Selbstporträt Federico Zuccaris mit seiner Frau Francesca im Palazzo Zuccari
Selbstporträt Federico Zuccaris mit seiner Frau Francesca im Palazzo Zuccari

Der Palazzo Zuccari wurde ab 1590 von dem Maler und Kunsttheoretiker Federico Zuccari am Hang des Pincio errichtet. Das Erdgeschoss des Palazzo ist mit von Zuccari ausgeführten Fresken ausgestattet. Zuccari war es auch, der das berühmte Höllenmaul an der Via Gregoriana entwarf, damals Zugang zum Garten des Palazzo. Sein Wappen, der Zuckerhut, ist noch heute das Emblem der Forschungseinrichtung. In seinem Testament verfügte er, dass die Räume als Versammlungslokal der Akademie der Maler, Bildhauer und Architekten dienen sollten sowie als Unterkunft für junge Künstler, insbesondere für solche, die aus Regionen nördlich der Alpen anreisten. Da Zuccari hoch verschuldet starb und den Bau unvollendet hinterließ, konnten diese Bestimmungen nicht erfüllt werden, doch vermieteten die Erben nach seiner Fertigstellung den repräsentativen Palast an prominente Bewohner.

Palazzo Zuccari
Palazzo Zuccari

Von 1703 bis 1714 residierte hier Maria Casimira, Witwe des polnischen Königs Jan Sobieski. Für sie entwarf der Architekt Filippo Juvarra Bühnenprospekte für den Festsaal des Palazzo Zuccari, wo Opern und Singspiele von Alessandro und Domenico Scarlatti aufgeführt wurden. Johann Joachim Winckelmann verfasste 1755 im Palazzo Zuccari seine epochale Beschreibung des Apoll von Belvedere. 1786 besuchte Johann Wolfgang von Goethe den im Palazzo Zuccari wohnenden Antiquar und Kunstagenten Johann Friedrich Reiffenstein. Im 19. Jahrhundert schufen die Nazarener Friedrich Overbeck, Peter Cornelius, Wilhelm Schadow und Philipp Veit für eines der Zimmer im Auftrag des hier wohnenden preußischen Generalkonsuls Jakob Salomon Bartholdy ihren berühmten monumentalen Freskenzyklus, der heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin aufbewahrt wird.

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Palazzo Stroganoff

Palazzo Stroganoff, Treppenhaus, Foto: Andreas Muhs
Palazzo Stroganoff, Treppenhaus, Foto: Andreas Muhs

Wie der Palazzo Zuccari war auch der Palazzo Stroganoff eine beliebte Adresse bei Künstlern, die hier während ihrer Romaufenthalte lebten. Ab 1649 war das seit 1581 bebaute Areal in Besitz des Malers Salvator Rosa, dessen Familie das Künstlerhaus in den folgenden Jahrhunderten u.a. an die Maler Thomas Jones, Anton Raphael Mengs und Auguste-Dominique Ingres, sowie an den Schriftsteller Stendhal vermieteten. Namensgeber des Palazzo ist der russische Graf Gregor Stroganoff. Er erwarb das Gebäude 1881 und ließ es in ein repräsentatives Palais umbauen. Dieses sollte weniger gesellschaftlichen Zwecken dienen als der Auf- bzw. Ausstellung der großen Kunstsammlung des Grafen, sodass das Haus wie ein Museum wirkte (Kieven 2013). Seit dem Ankauf des Palazzo Stroganoff 1963 mit Mitteln der Stiftung Volkswagenwerk (der heutigen VolkswagenStiftung) für die Hertziana ist er Sitz der Bibliotheksverwaltung.

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Villino Stroganoff

Villino Stroganoff, Garten
Villino Stroganoff, Garten

Etwa gleichzeitig mit dem Kauf des Palazzo erwarb Graf Gregor Stroganoff 1883 ein auf der anderen Straßenseite der Via Gregoriana liegendes Gebäude: Das heutige Villino Stroganoff wurde damals nach seinen Besitzern Casino di Mignanelli genannt, die das vermutlich bereits bebaute Gelände 1608 geerbt hatten und später vermieteten. Berühmtester Bewohner war der französische Kunsthistoriker und Autor der Histoire de l’art par les monuments, depuis sa décadence au IVe siècle jusqu’à son renouvellement au XVIe, Jean Baptiste Louis Georges Seroux d’Agincourt, der bis zu seinem Tod 1814 dort lebte.
Stroganoff ließ das Villino umbauen, jedoch ist die Nutzung zu seiner Zeit ungeklärt. Im Dezember 1906 verkaufte Stroganoff das Gebäude an die Amerikanerin Marion Kemp, die es zu einem Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft Roms machte (Röll 2013). 1980 wurde das Villino durch die Max-Planck-Gesellschaft für die Bibliotheca Hertziana angekauft. Von 1985 bis 2012 war es Sitz der Fotothek, heute dient es als Vortrags- und Tagungsstätte und als Sitz der Institutsverwaltung.

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Neubau

Der Bibliotheksneubau von Juan Navarro Baldeweg, fotografiert von der Dachterrasse, Foto: Andrea Jemolo
Der Bibliotheksneubau von Juan Navarro Baldeweg, fotografiert von der Dachterrasse, Foto: Andrea Jemolo

Da sich Statik und Brandschutz des in den 1960er Jahren entstandenen Neubaus im ehemaligen Garten des Palazzo Zuccari für die etwa 250 000 Bände der Bibliothek als nicht ausreichend erwiesen, wurde 2001 das 1969 eingeweihte Gebäude des Architekten Silvio Galizia abgerissen und an seiner Stelle ein neues Bibliotheksmagazin mit Lesesaal nach dem Entwurf von Juan Navarro Baldeweg errichtet (Video). Der neue Bibliotheksbau wurde im Januar 2013 eingeweiht. Damit stehen die Bestände von Bibliothek und Fotothek wieder Forschern aus aller Welt offen (s. Zulassungsbedingungen). Baldewegs Bibliotheksbau bildet das neue Zentrum der Hertziana, das als Mittler zwischen den beiden anliegenden Altbauten (Palazzo Zuccari und Palazzo Stroganoff) dient. Der Zugang zur Bibliotheca Hertziana erfolgt nun über das ehemalige Eingangstor zu Federico Zuccaris Garten, dem sogenannten Mascherone.

Der Bibliotheksneubau von Juan Navarro Baldeweg, Eingangsbereich, Foto: Andreas Muhs
Der Bibliotheksneubau von Juan Navarro Baldeweg, Eingangsbereich, Foto: Andreas Muhs

Für seine Gestaltung des neuen Bibliothekstrakts der Hertziana nimmt Baldeweg Bezug auf die Geschichte des Ortes, indem es den einstigen Garten des Palazzo Zuccari in Gestalt eines trapezförmigen Lichthofs wieder öffnet und auch dessen ursprünglichen Zugang durch das als ›Höllenmaul‹ gestaltete Tor erneut erschließt. Um diesen Hof herum gruppieren sich Lesesäle und Büchermagazine in nach oben zurückspringenden Galerien, die formal an die terrassierten Gärten der Landvilla des römischen Feldherren Lukull, die einst den Monte Pincio prägten, erinnern. Ein gläserner Trichter, der den dachlosen Innenhof umgibt und an einer Seite durch eine geneigte weiße Wand begrenzt ist, reflektiert das natürliche Licht und verteilt es in die einzelnen Ebenen. Trotz ihrer begrenzten Ausmaße suggerieren die Bibliotheksräume Weite, Transparenz und Licht (Kieven 2013).

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Neuste Bautechnik über antikem Grund

Querschnitt des Bibliotheksneubaus, Darstellung der Fundamentierung durch Mikrophähle, Graphik: Studio Enrico da Gai
Querschnitt des Bibliotheksneubaus, Darstellung der Fundamentierung durch Mikrophähle, Graphik: Studio Enrico da Gai

Bereits 1910 war man bei Arbeiten am Palazzo Zuccari im Untergrund auf Relikte der Villa des Lucius Licinius Lucullus aus der Zeit um 60 v. Chr. gestoßen. Der als Gourmet und Lebemann, aber auch als Kunst- und Büchersammler bekannte Feldherr besaß einen wegen seiner außergewöhnlichen Schönheit bewunderten, in Terrassen angelegten Garten am Südhang des Monte Pincio.
Um diese antiken Relikte einerseits nachhaltig zu erhalten und zugänglich zu machen und um andererseits gleichzeitig ein neues Gebäude darüber errichten zu können, wurde für die neue Bibliothek eine kühne statische Konstruktion entwickelt: Auf 170 schmalen Stahlpfählen entlang der Via Sistina und Via Gregoriana, die bis zu 50 Meter tief in die Erde reichen, ruht eine drei Meter hohe ›Schachtel‹ aus Stahlbeton. Gleich einer Brücke wird so die archäologische Zone überspannt, ohne diese zu beeinträchtigen. Gleichzeitig trägt die ›Schachtel‹ das enorme Gewicht des Neubaus.

Ausgrabungsarbeiten unter dem Bibliotheksneubau
Ausgrabungsarbeiten unter dem Bibliotheksneubau

Bei den Grabungen der Soprintendenza Archeologica di Roma legte das Archäologenteam unter der Baustelle der neuen Bibliothek einen terrassenförmigen Wall frei, der unter Lucullus errichtet worden war. Um 47 n. Chr. hatte ihn sein neuer Eigentümer, Valerius Asiaticus, in ein Nymphäum – eine geweihte Brunnenanlage – umbauen und mit prächtigen Mosaiken ausschmücken lassen. Außerdem fand man etwa vierzig eingegrabene Töpfe mit fossilen Pflanzenresten, darunter Rosenwurzeln, und einen Venuskopf. Dank der besonderen Konstruktion des Neubaus können die Ausgrabungsarbeiten auch nach dessen Fertigstellung fortgesetzt werden.

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Institutsführungen

Kontakt und Anmeldung

Elisabetta Pastore
Telefon: + 39 0669 993 226
Telefax: + 39 0669 993 333
pastore(at)biblhertz.it

Raffaele Rossi
Telefon: + 39 0669 993 257
Telefax: + 39 0669 993 333
rossi(at)biblhertz.it

Weiterführende Literatur

100 Jahre Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte. Der Palazzo Zuccari und die Institutsgebäude 1590–2013, hg. v. Elisabeth Kieven, unter Mitarbeit von Jörg Stabenow, München 2013.

Marco Biagi u. Enrico Da Gai, »Spazi per la cultura. Biblioteca Hertziana, Max Planck Institut – Roma. Juan Navarro Baldeweg«, Casabella (2012), 810, S. 72–89.